Welcher Fotografie-Typ bist du?

Welcher Fotografie-Typ bist du?

Wir werden sehr oft gefragt „Welche Kamera soll ich kaufen?„, „…oder ist diese oder jene Ausrüstung für mich ideal?„. Die richtige Kamera hängt vor allem vom Fotografier-Verhalten, von den eigenen Ansprüchen und Zielsetzungen und natürlich vom Budget ab.

Pauschal läßt sich die Kamerafrage genauso wenig beantworten, wie alle anderen Fragen nach passender Ausrüstung. Aber es ist möglich eine ungefähre Matrix nach Verwendungszwecke und Typus aufzuzeigen.

Typ I: Der einfache Knipser.

Ich bin Knipser und will Knipser bleiben. Ich will nur mal meine Kinder knipsen, oder Gegenstände zur Dokumentation, besondere Qualitätsansprüche habe ich nicht, mir reicht die Druckqualität aus dem Drogeriemarkt, oder das Betrachten auf dem Monitor.

Unser Tipp:

Im Prinzip würde da die integrierte Fotofunktion deines Handys reichen. Alternativ eine Kompaktkamera, die ist leicht zu transportieren und zu bedienen.
Aber: Kein Motiv der Welt hat die Qualität einer Handy-Foto-Funktion oder einer schlechten Kompaktkamera verdient.

Typ II: Knipser mit Qualitätsanspruch

Ich bin Kompaktkamerafotograf, will aber professionell fotografieren, und will speziell so schöne Unschärfen im Hintergrund bei großen Blenden erzielen, wie meine Bekannten mit ihren großen Kameras.

Workshop Fotowalk Grundlagen Bildgestaltung

Unser Tipp:

Sorry, lieber Knipser, das geht nicht. Mit einem Papierflieger kannst du auch nicht in den Urlaub fliegen. Kompaktkameras und Handys sind auf Grund ihrer Bauart nicht mit höherwertigeren Kameras vergleichbar und werden auch nie deren Bildqualität erreichen. Dabei spielt der Sensor der Kamera, und vor allem der zu geringe Linsendurchmesser eine Rolle. Mit den kleinen Linsen, die in Objektiven von Kompaktkameras und Handys eingebaut sind, sind sehenswerte Verläufe von Schärfen und Unschärfen nicht ansatzweise erreichbar. Oft kann in einfachen Kameras keine Blende eingestellt werden, weil es keine variable Blende gibt. Jedes Bild ist daher fast durchgehend scharf. Auch mit Bildbearbeitungen läßt sich ein Schärfe-zu-Unschärfe-Verlauf, den eine gute Optik erreicht, nicht erstellen.
Wenn dein Budget nicht für eine neue Systemkamera oder Spiegelreflexkamera (DSRL) reicht, sieh dich nach einer gebrauchten, aber technisch neuwertigen Kamera um. Wenn du gerne fotografierst und schon qualitative Ansprüche hast lohnt sich ein Systemwechsel.

Typ III: Kompaktkamera-Fan mit ambitionierter Reisefotografie

Ich reise gerne, hab da immer meine Kompaktkamera und sogar ein kleines Stativ dabei. Trotzdem sind meine Bilder nicht so überzeugend. An ferne Motive komme ich nicht ran, die nahen Motive sind verwackelt oder unscharf.

Foto: Lucky Horn

Unser Tipp:

Wer gerne auf Reisen fotografiert ist in der Tat mit einer kleinen Kamerausrüstung, die wenig Platz einnimmt, aber robust ist, gut beraten. Kompaktkamera ist nicht gleich Kompaktkamera, es gibt große Qualitätsunterschiede; Der Schritt zur höherwertigen Systemkamera liegt nahe, wenn du Fotos auch bearbeiten willst, wenn du ein zweites oder drittes Objektiv einsetzen willst. Dann kannst du auch für unterschiedliche Entfernungen und Motive spezielle Objektive kaufen, die in der Systemkameraklasse auch nicht so teuer sind.

Typ IV: der Foto-Vielfotografierer mit Zoomobjektiv an der Einsteiger-DSLR

Ich fotografiere alles, was mir vor die Linse kommt. Familie, Tiere, Natur, auf Reisen, in Gebäuden bei Feiern, auch mal auf einem Konzert. Meine kleine Einsteiger-DSLR liefert aber keine guten Ergebnisse, obwohl ich immer blitze, und immer mit dem Zoomobjektiv schön ran zoome.

Unser Tipp:

Immer zu blitzen ist ein grober Fehler. Die in Kompaktkameras eingebauten Blitze taugen nur auf recht kurzer Entfernung. Bei Tageslicht oder zu weit entfernten Motiven bringt der Blitz meist nicht viel. Wer ein viel fotografiert hat schon mal die wichtigste Voraussetzung zum Fotografieren, nämlich die Liebe zum Motiv, verinnerlicht. Allerdings brauchen unterschiedlichste Motive mehr als ein Allround-Zoomobjektiv und einen eingebauten Kamerablitz. Essentielle Voraussetzung einer guten Fotoqualität ist ein gutes Objektiv. Mit einer Einsteiger-DSLR besitzt du die Möglichkeit des schrittweisen Ausbaus deiner Ausrüstung. Kaufe dir eine Festbrennweite mit 50mm und einer Lichtstärke von f1.8 – das gibt es von vielen Herstellern zwischen 100,- und 200,- €. Das Objektiv kannst du für 70% deiner Motive immer an der Kamera lassen, für alle anderen Fälle verwendest du weiterhin dein Standard-Zoom-Objektiv. Deine nächste Investition könnte dann ein besserer Kamerabody des gleichen Herstellers sein, mit dem du deine Objektive weiterhin verwenden kannst.

Typ V: Besitzt ein hochwertiges Kamerabody und schlechte Objektive

Ich habe mir beim Technikmarkt meines Vertrauens eine super teuere Spiegelreflexkamera gekauft. Als Objektiv reicht mir das Kitobjektiv, das mir der Händler mitverkauft hat – die Kamera ist ja topmodern, hat viele Programme, die macht mit jedem Motiv hervorragende Bilder.

Unser Tipp:

Noch bessere Qualität ließe sich mit mindestens gleichwertigem Objektiv erzielen. Bei Objektivqualitäten gibt es nach oben kaum Grenzen. Die im Handel beigefügten Kitobjektive liegen jedoch meistens weiter unter dem Niveau des Kamerabodies. Leihe dir von Freunden mal hochwertige Festbrennweiten aus und entdecke den Unterschied. Lichtstärke, Vergütung von Linsen und die damit zusammenhängende Abbildungsqualität macht den Preis. Bei Kit-Angeboten wird die Qualität in erster Linie auf Bodies ausgerichtet. Besser und vor allem individueller ist es Body und Objektiv(e) getrennt zu kaufen.

Typ VI: der rastlose, ambitionierte Technik-Nerd

Ich habe alles, was es gibt, neueste DSLR-Vollformat-Kamera, Festbrennweiten, Zubehör für jeden Zweck. Die Bedienung meiner Kamera reduziere ich aber auf den Automatikmodus, denn da kommen tolle Bilder hin- und wieder zustande. Wenn ich eine neue Kamera oder ein neues Objektiv einsetze wird es bei mir zuerst mal unter  heimischen „Laborbedingungen“ geprüft und nach Fehlern gefahndet, für die es dann hoffentlich bald ein Update oder eine technische Lösung gibt.

Foto: Lucky Horn

Unser Tipp:

Fotografie besitzt einen technischen Aspekt, allerdings darf man den nicht überschätzen. Der ausschlaggebende Qualitätsfaktor ist der Mensch, der Fotograf. Beschränke dich auf ein Motivsegment, auf eine Stilrichtung, entwickle dich weiter, in dem du fotografische Welten mit reduziertem Equipment erfasst. Befasse dich intensiv mit den physikalischen, optischen Parametern der Fotografie und lerne deine Kamera manuell zu bedienen.

Diese Techniktypen sind bei weitem nicht alle, sondern stellen nur ein paar herausragende Extreme dar. Die Übergänge der Typen sind fließend, ebenso wie die Ansprüche an die eigene Fotografie. Hast du Fragen zu deinem Fotografie-Typus? Stelle uns diese, wir werden sie hier, nach Wunsch anonym veröffentlichen und beantworten. Bitte beschreibe uns dein aktuelles Equipment, deinen Kenntnisstand in der Fotografie und wo deine Zielsetzungen sind, wir werden darauf möglichst individuell antworten.

Von |2016-11-24T15:59:32+00:0027. März 2014|Allgemein|Keine Kommentare bisher

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