Vom Herzblut zu fotografieren

Von Eric Clapton erzählt man sich, als er und ein paar andere Freunde in einer netten Runde zusammen waren, gute Gespräche und gute Laune hatten, folgende Aussage: Einer seiner Freunde fragte ihn, ob er nicht etwas auf der Gitarre spielen würde, das wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt und überhaupt würden sich alle richtig darauf freuen. Clapton antwortete kurz, ‚Gitarre spiele er nicht zum Vergnügen, sondern nur wenn er dafür bezahlt wird‘.

Etwas aus Passion zu tun, ist eine gute Voraussetzung es gut zu tun. Wenn jemand mit ganzem Herzblut fotografiert, dann hat er immer eine Kamera in Reichweite und sei es nur das Handy. Wenn jemand wirklich der Fotografie verschrieben ist, schmerzt es ihm/ihr eine geniale Lichtstimmung nicht festhalten zu können, insofern ist für ihn eher die Gewissheit jederzeit fotografieren zu können, jeden beliebigen Augenblick festhalten zu können, wichtiger als es wirklich zu tun. So wie ein Zeichner oder Maler seinen Notizblock, ein Fossiliensammler seinen Geologenhammer immer im Auto hat, hat ein passionierter ‚Lichtseher‘ immer sein Werkzeug griff- und einsatzbereit. Es verschafft ihm Ruhe und Sicherheit diese Tools bei sich zu haben.

So wie die Kamera die Verlängerung seiner Augen ist, ist das Sehen eines passionierten Fotografen auch immer ein fotografisches Sehen. Er entdeckt stets Lichter, Stimmungen, Perspektiven, Konstellationen von Aussagen, Gesichter und Strukturen, er tastet sich an den richtigen Standpunkt an und … ist zufrieden. Das Auslösen eines Bildes hat meist schon im Kopf stattgefunden. Dabei überschreiten Kreative häufig ihre Genres … auch einem Portraitfotograf macht es Freude eine Wasserspiegelung oder mal spielende Katzen zu fotografieren.

Clapton sieht das wohl so wie ein Feuerwehrmann … der legt auch keine Brände nur weil ihm das Löschen Freude macht.

Ich kenne Berufsfotografen, die haben Ihre Kamera nach Feierabend nicht mehr in der Hand, sogar in den Urlaub nehmen sie die nicht mit. Aus Passion zu fotografieren kommt denen nicht mehr in den Sinn, sie haben andere Freizeitbeschäftigungen und Fotograf zu sein heißt für Sie handwerklich stets perfekt zu arbeiten, termingerecht zu liefern und zufriedene Kunden zu haben. Passion haben sie längst durch Routine ersetzt.

Deshalb ist es eine immense Freiheit nicht fotografieren zu müssen, stattdessen fotografieren zu können wann immer der richtige Zeitpunkt dafür ist. Der Fotograf als Jäger und Sammler findet seine evolutionäre Reife im Sammeln von unwiederbringlichen Augenblicken, im Zen des Lichts und in der Magie von Bildausschnitten.

Die Erfindung der Kamera resultierte für ihn im materiell gewordenen ewigen Wunsch die Zeit festzuhalten. Nutzen wir diese Möglichkeit – mit Passion!